WIE ALLES BEGANN
Damals
Pferde waren schon immer ihr Leben,und beim Pferdesport haben sich Sabine und Siegfried Jerol vor Jahren kennengelernt. Neben der Arbeit in der LPG Pflanzenproduktion, betätigten sich die beiden aktiv im Reitverein und hielten auch privat drei Pferde.
Die Chance, mit ihrem Hobby eine eigene und völlig neueExistenz aufzubauen, kam mit der Wende. Und trotz enormer Schwieigkeiten, vor allem mit der Bürokratie,ergriffen die beiden Pferdenarren sie ohne zu zögern.
Zunächst kauften sie die 13 ehemaligenLPG -Pferde in Straupitz, auch die schon betagteren,denn sie zum Schlachten zu bringen,das brachten beide nicht übers Herz.
Der Kauf eines alten Straupitzer Herrenhauses,welches ideal für den Reitbetrieb gewesen wäre, stand kurz vor der Vollendung,als ein Alteigentümer ihnen einen Strich durch die Rechnung machte.Auch heute steht das Gebäude noch leer und verkommt zusehend.
Da blieb der Familie nichts weiter übrig, als ihren eigenen Hof in Byhleguhre zu vervollkommnen.Kaum zu glauben, was in den Jahren schon geschafft wurde.Das Wohnhaus mußte ausgebaut,ein neuer Stall und eine Reithalle errichtet,Ferienunterkünfte geschaffen und Weiden angelegt werden,alles weitgehend in Eigenleistung ...
Mit schwerer,aufopferungsvoller Handarbeit wurde dieser landwirtschaftliche Pferdezucht- und Sportbetrieb, zwischen Lübben und Burg gelegen, nach der Wende aufgebaut ...
Ohne seine junge Frau Sabine , die ebenfalls den Beruf eines Agrar-Ingenieurs in einer LPG für Pflanzenschutzmittel ausübte --- und inzwischen zur ChefIn des Hofes avancierte, sowie der gemeinsamen Tochter Stefanie,die einen Abschluss zum Pferdewirt,Schwerpunkt Reiten hinter sich hat und bereits auch ihren "Meister" machte - wäre allerdings die Arbeit nicht zu bewerkstelligen ...
Nein - ohne die immer willigen besten Freunde auch nicht, dass muss an dieser Stelle mal gesagt werden !!!
Ein dickes Lob und ein großes Dankeschön an sie !!
Heute
Unser Pferdebestand ist inzwischen-teils aus eigener Zucht - auf etwa 70 Stück angewachsen .Überwiegend sind es Warmblüter,aber auch Haflinger und Ponys.Versorgt werden sie von den eigenen bzw. von Pachtflächen.120 Hektar bewirtschaftet unsere Familie.Der arme Sandboden befindet sich überwiegend im Biosphärenreservat und ist deshalb größtenteils nur als Grünfutter zu nutzen.Mit ein Grund, dass wir nun "BIOLAND" sind ...
Gemeinsam mit den Pferden weiden sieben Galloway- Mutterkühe,deren Nachzucht und ein Deckbulle.Da besonders zarte Fleisch läßt sich sehr gut verkaufen.
Das von unseren Ackerflächen geerntete Kraftfutter tauschen wir gegen Pferdemischfutter ein.So kann das gesamte Futter zum Erzeugerpreis eingesetzt werden,eine Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit des Betriebes.Einen Teil des Heus verkaufen wir - an die Rennbahn in Berlin-Hoppegarten.
Der Betrieb steht und fällt natürlich mit dem Reit - und Fahrbetrieb. Ganze Busladungen von Touristen kutschiert unser RH-Team durch den Spreewald.
Vor allem aber verbringen kleine Pferdefans - zumeist Mädchen ab ca. 8 Jahren, aber auch immer mehr Jungs, - hier Reiterferien.
Sie sind den ganzen Tag unter Aufsicht,unternehmen über das Reiten hinaus eine Menge.Nachtwanderungen und Grillabende erfreuen sich größter Beliebtheit.Jedes Kind darf sich persönlich um ein Pferd kümmern. Die meisten beteiligen sich auch mit Begeisterung am Stalldienst,der um 07.00 Uhr in der Frühe beginnt.Aber auch mit Hund undden vielen Katzen freunden sich die Kinder schnell an.Bekocht werden sie in einer Mischung von Oma,Tochter Stefanie und einem Essenservice auf Rädern. So ist immer für Abwechslung gesorgt. Damit jeder voll auf seine Kosten kommt, und möglichst viel lernen kann, werden die Kinder in Leistungsgruppen eingeteilt.
Den Eltern,Großeltern und/ oder anderen Abholern,die am Abholtag (Samstag) immer reichlich erscheinen, präsentieren die Kinder,in einem selbstgestalteten Programm,was sie in einer Woche alles gelernt haben. Einige bestehen hier ihre ersten Prüfungen, beispielsweise dem REITERPASS ...
Es gibt aber auch zunehmend Kinder,Jugendliche und auch ältere "Semester" aus der nahen und etwas entfernteren Umgebung, die regelmäßig hier reiten. Teilweise werden sie für die Teilnahme an Reitturnieren ausgebildet . Alle Kinder sind dabei praktisch in die Familie integriert und fühlen sich dabei sichtlich wohl.
Noch auf eine andere Weise verdienen sich die Pferde ihr Futter.
Für die spreewaldtypischen Traditionsfeste und Umzüge werden manchmal hunderte Pferde gebraucht. Junge Leute, die beispielsweise beim Hanrupfen, dem Osterreiten oder dem
Johannisreiten teilnehmen wollen, können hier bei uns ein Pferd ausleihen. In den Preis inbegriffen, ist eine Probestunde und der An- und Abtransport des Pferdes zum Ort des Geschehens. Um bei diesen Events bestehen zu können, sind freilich meist mehrere Stunden nötig, um einigermaßen sattelfest zu sein .
Manch einer findet dabei so viel Gefallen am Reiten oder entwickelt einen solchen Ehrgeiz, dass er dann regelmäßig zu uns auf den Reiterhof kommt.
Natürlich müssen auch Pferde verkauft werden, wenngleich es uns immer wieder sehr schwer fällt, uns von unseren Schützlingen zu trennen ...Oft kommt es vor, dass sich ein Reiter so in sein Pferd "verliebt", dass er es kaufen möchte.Alle Pferde hier sind sehr umgänglich und ausgeglichen, zurückzuführen auf die Tatsache,dass sie nur von Frauen, also "mit weicher Hand" ohne Gewalt eingeritten werden. Auch das gehört zum Konzept unseres Pferdehofes . Hier sollen sich Reiter und Pferde wohlfühlen .




